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Monatliche Reiseberichte


9. August 2000 - 2. April 2001

lpp & jbg







Indien

Land der Gegensaetze und Widersprueche, Land der Erwartungen und Offenbarungen. Der Reisefuehrer mahnte: "Love it or hate it you can never ignore India" und fuegte offenherzig hinzu: "Basically India is what you make of it and what you want it to be"…

Das hässliche Indien

Delhi, Stadt des Chaos. Laerm und Gestank, Hitze und Ohnmacht. 200 Meter Wegstrecke im Pahar Ganj Viertel ist unglaublich ermuedend, da man einerseits versuchen muss, nicht vom Verkehr mitgenommen zu werden und andererseits eine Masse von Indern fernhalten sollte, welche sich auf jeden westlichen Touristen stuerzen, waehrend man (mehr oder weniger) geschickt den Abfall auf der Strasse meidet. Und natuerlich wurden wir die ersten 2 Tage von fast jedem Inder (Hindu wie Muslim) verarscht, mit dem wir Geschaefte machen mussten.

Fuer die Hindus scheint es einfach zu sein, vom Umstand der Bettler nicht beruehrt zu werden – das Kastensystem und Gewohnheit scheinen da zu helfen. Doch fuer uns westliche Touristen ist der Anblick von Kindern welche durch Kinderlaehmung verkrueppelt sind (eine Schluckimpfung von einem anderen Karma entfernt!) und Leprakranken gravierend. Persoenlich loest dies eine Kettenreaktion von Empfindungen aus: Mitleid, Ekel, Schuldgefuehle, Hilflosigkeit. Doch auch hier hilft die Gewohnheit und eine Abstumpfung findet statt, obwohl wir versuchen, regelmaessig den wirklich Aerbaermlichen mit kleinen Geld- oder Nahrungsmittelspenden kurz Abhilfe zu schaffen. Der Tropfen auf dem heissen Stein… Demgegenueber steht ein kleiner Junge, der (leider offensichtlich) einen Arm unter dem Hemd versteckt und uns die andere Hand zum Betteln hinhaelt…

Leider Scheint auch Indien von dem asiatischen Unvermoegen betroffen zu sein, keinen Sinn fuer Aesthetik oder Hygiene zu haben. So wird der Muell am besten direkt vor die Fuesse geworfen oder aus dem Zug geschmissen. Und die Notdurft im Ecken verrichtet. Tragisch wie so die atemberaubendsten Anblicke relativiert werden.

Das apokalyptische Indien

Indien hat nach China die zweit groesste Population. Momentan vergroessert sich diese jaehrlich um etwa 20 Millionen Menschen, was Schaetzungen nahe legt, welche besagen, dass in nicht allzu ferner Zukunft Indien China abloesen wird. Im prekaeren Kontrast dazu beansprucht Indien nur ca. 2.4% der Landmasse der Erde. Der Druck auf die Umwelt resultierend aus dem Energiebedarf und dem Abfallberg hat schon heute einschneidende Auswirkungen: Waelder werden abgeholzt, Tierarten sind am aussterben und die Qualitaet der urbaren Erde nimmt konstant ab. Neulich wurde eine Smogwolke ueber dem indischen Ozean entdeckt und mit der Luftverschmutzung der indischen Staedte und dem Monsoon in Verbindung gebracht. Parallel zu diesen Entwicklungen scheint Indien zunehmends in einen Zustand von Ungleichgewicht zu rutschen, indem der Ueberfluss zugunsten von grundlegenden Massnahmen zur Lebensverbesserung Oberhand nimmt.

Der (ewig) wiederaufflammende Krisenherd Kashmir. Auf der Titelseite der Times of India war zu lesen, dass eine indische Partei von der Regierung fordert, haerter mit den muslimischen Rebellen umzugehen, auch wenn dies Uebergriffe auf pakistanisches Gebiet zur Folge haette und als kriegerischer Akt interpretiert wuerde. Der pakistanische Aussenminister meinte (unabhaengig davon) lakonisch, dass Indien und Pakistan beide Atomwaffen haetten und diese sicherlich waehrend einem Zwischenfall einsetzten wuerden. Und die Rebellen drohen den Konflikt auf ganz Indien auszudehnen. Waehrenddessen kostet die militaerische Praesenz in Ladakh – dies als Machtdemonstration China gegenueber – ca. 1 Million US$ am Tag…

Wahrlich ominoese Zeichen. Bezeichnenderweise leben wir momentan im Zeitalter des Kalyug, welches nach indischer Mythologie durch zunehmende Geschwindigkeit ausgezeichnet ist und dem Weltuntergang vorausgeht. Bleibt nur zu hoffen, dass das Zeitalter des Wassermannes im Okzident ueberhand hat…

Das belohnende Indien

Der Staat Himachal Pradesh im Norden mit der Hauptstadt Shimla, welche einerseits durch breite Strassen und Kolonalstiel ein ungewoehnliches Bild abgibt und andererseits mit seinen engen Gassen, Treppen und dem Bazar wieder typisch indisch ist. Viele reiche Inder verbringen hier (weg von der Hitze des Flachlandes) ihre Ferien – mit dem altbekannten gepipse der Handys. Viele Affen streunen friedlich ueber die Strassen und Daecher und die Weibchen habe ihre Kleinen auf dem Ruecken sitzen oder am Bauch klammernd. Das kleine Bergdorf Rewalsar, mit dem noch kleineren See und den buddhistischen, Hindu- und Sikh-Tempeln, den heiligen buddhistischen Hoehlen auf dem Berg oben.

Dharamsala mit den vielen Exil-Tibetern und noch mehr Touristen. Bei dem Massen-Haendeschuetteln (ca. 150 Touristen) mit dem Dalai Lama fehlte die kontemplative Note aber die Ausstrahlung und das Laecheln dieses besonderen Menschen von nahem zu erleben und sehen war wirklich eindruecklich. Die oeffentliche Audienz beim Karmapa (spirituelles Oberhaupt eines anderen buddhistischen Ordens) war dafuer um so inspirierender. Er ist erst ein 17-jaehriger Junge. (Auch fuer den Buddhismus sind es schlechte Zeiten. Der sog. Panchen Lama (ein 10-jaehriger Junge!) ist in China inhaftiert und wuerde eine essentielle Rolle spielen, die nachfolgende Inkarnation des heutigen Dalai Lamas zu bestaetigen. Und um die 17. Inkarnation des Karmapas gibt es auch Unstimmigkeiten, da es zwei davon gibt. Dies spaltete den Orden in zwei Lager und beide behaupten von der anderen Seite mit China verbuendet zu sein.)

Ein zweiter Besuch in Delhi zeigt uns auch diese Stadt von ihrer

schoeneren Seite.

Auf den ewigen Bus- und Zugreisen erfaehrt man die Inder als freundlich, hilfsbereit und neugierig. Ihre Gastfreundschaft nur schon in bezug auf das Essen ist herzwaermend ruehrend (und so "mussten" wir trotz freundlichem Ablehnen unsererseits auf ihr Insistieren hin alles Moegliche an exotischen Snacks kosten). Auch mit den Touristen knuepfen sich oftmals kleine Banden der Freundschaft, welche nach kurzer Zeit wieder im Meer der Moeglichkeiten aufgehen…

Mit lieben Gruessen an Euch Daheimgebliebenen

Eure

j&l

Das zauberhafte Indien

Rajasthan - Land der Koenige und Forts - ist Indien von der exotischen und geschichtlich gepraegten Seite. Hier, nahe der Wueste, wird das gewohnte, von Kuehen und Schweinen bevoelkerte Strassenbild zusaetzlich noch von Kamelen und Elefanten ergaenzt.

Jaipur, die Hauptstadt. Hier wird man zum ersten Mal mit der erstaunlichen Baukunst und Architektur dieser Region konfrontiert. Das Amber Fort ausserhalb bietet schon seit 400 Jahren ein Bild ausgewogener Schoenheit mitten in der huegeligen Landschaft.

Jaisalmer, die Maerchenstadt. Ein 800-jaehriges Fort auf einer Erhoehung plaziert dominiert das kleine Staedtchen. Das Fort ist bewohnt und bildet mit den kleinen, verwinkelten Gassen ein Stadt fuer sich. Von weitem betrachtet ein erstaunlicher Anblick. Doch was wirklich umhaut, ist der Blick von nahem: Der akribisch genau behauene Sandstein explodiert zu einem Kunstwerk filigranster Muster. Und dies ueberall wo man hinschaut. Jedes Gebaeude, jede Wand. Die Unterkuenfte im Fort sind alte Havelis, ehemals Haeuser der reichen Kaufleute. Das Einzige was die Zeitlosigkeit dieses Ortes durchbricht sind die indischen Kampfjets, welche regelmaessig zum nahen Militaerstuetzpunkt fliegen. Die pakistanische Grenze ist ein paar 100 km entfernt. Die Kehrseite betrifft wieder einmal die Sauberkeit und Hygiene. In abgelegenen Gassen stehen die heiligen Kuehen auf Muellbergen, dessen Bestandteile sie genuesslich verzehren. Es gibt auch kein Kanalisationssystem. Die Inder benutzen die Innenseite der Fortmauer als Toilette. Und wir stellen bald fest, dass der Abfluss unseres WCs einige Meter weiter unten zur Mauer herausragt und prompt auch dort endet. Dass noch keine Seuchen ausgebrochen sind ist verwunderlich...

Jodhpur. Eine noch beeindruckendere Version des Themas "Fort auf Erhoehung mit Stadt rundum". Das 200-jaehrige Fort ist immens. Fast nicht zu vergleichen mit europaeischen Schloessern und Burgen. Leider ist es nicht bewohnt. Die Fassaden der Haeuser der Altstadt sind alle hellblau bemalt, was von oben wirklich einzigartig aussieht.

Ranakpur. Ein heiliger Ort fuer die Jains (Bemerkungen ueber Jainismus siehe weiter unten). Im Prinzip nur ein paar Haeuser im ueppigen Wald. Und dann ist da noch der Tempel. Von weitem recht klein und nicht so beeindruckend (wir sind eben langsam schon recht verwoehnt). Die Offenbarung liegt wieder im Detail. 1444 behauene Saeulen - keine Zwei sind gleich. 29 Kuppeln. Verzierungen wo man nur hinschaut. Und alles in weissem Marmor.

Udaipur mit den wunderschoenen Sonnenuntergaengen in der lieblichen Huegellandschaft. Bond war hier in "Octopussy". Eine friedliche Stadt am See. Hier manifestiert sich ein Problem der letzten Jahre sehr deutlich: In ganz Rajasthan regnet es waehrend der Monsoon-Zeit nicht mehr richtig. Der Wasserspiegel hier ist einige Meter unter dem normalen Niveau (in der Tat scheint sich auch in Himachal und Ladakh das Microklima zu aendern. Ersteres hat zuwenig, Zweiteres zuviel Niederschlag).

Chittorgarh. Ja, wieder ein Fort. Was den Leser wohl langsam schon langweilt, ist in Wahrheit ein erneutes Highlight an Aesthetik und Baukunst. Es beduerfte wohl einer poetischen Neigung, diese visuelle Stimulation mit gleicher Lebendigkeit in Worte zu fassen - zum Glueck haben wir eine Kamera. Die Geschichte dieses Forts ist bewegend. Dreimal wurde es eingenommen (einmal wegen einer schoenen Frau). Und jedesmal wurde das rituelle Jauhar begangen: Wenn die sichere Niederlage kurz bevorstand, ritten alle Maenner, in gelben Roben gekleidet, aus dem Fort, um dem Feind und dem sicheren Tod zu begegnen. Waehrend-dessen stuerzten sich die Frauen und Kinder in einen riesigen Scheiterhaufen. Ehre ueber Tod.

Pushkar, die kleine heilige Hindu-Stadt am heiligen See. Ruhig und verschlafen. Das Ganze mit Hippy-Flair. Zwei besonders abgefahrene Touristen, mit Gloeckchen und orangen Roben bekleidet, liefen staendig barfuss umher. In Indien allgemein und speziell in Pushkar besonders eklig. Im ganzen Dorf ist Alkohl und Fleisch verboten. Sogar Eier sind nirgends erhaeltlich. Dafuer wird einem interessanter Weise ueberall Haschisch angeboten. Dieses - im Gegensatz zu Alkohol - kann fuer die obere Hindu-Kaste (und Touristen) in einen religioesen Rahmen gebracht werden.

Das mystische und metaphysische Indien

Indien ist der Geburtsort des Hinduismus, Buddhimus und Jainismus. Letzteres ist eine Art Buddhismus-Derivat, dessen Gruender ein Zeitgenosse Buddhas war. Die Jain-Gurus leben meist in den Waeldern bei einem Tempel und sind immer nackt. Neben dem Muslimanteil gibt es noch eine Sikh-Minderheit. Die Sikh-Religion vereint vermeintlich die besten Elemente des Islam und des Hinduismus. Die Dominanz des Hinduismus liegt wohl in dessen Alter (die gruendenden Veda-Schriften sind 3000 - 6000 Jahre alt - je nach Quelle ) und dessen Flexibilitaet (Buddhismus gehoert nach Ansicht der Hindus zum Hinduismus) begruendet. Sadhus, die Hindu-Gurus, sind wandernde Asketen. Sie koennen diverse Fakir-Kunststuecke vollbringen und sind auch immer nur leicht bekleidet. Naiv (aus westlichen Augen?) betrachtet sind die ca. 330 Mio. Hindu-Goetter alles Manifestationen, Aspekte, Inkarnationen, Nachkommen eines der drei Hauptgoettern: Brahma, der Erschaffer; Vishnu, der Erhalter; Shiva, der Zerstoerer. Diese sind wiederum Ausdruck von Brahman, dem Einen, Unteilbaren, Ewigen, Unendlichen. Brahman ist ohne Inhalt oder Form. Die letztendliche Realitaet oder der Hintergrund unserer Realitaet. Die Quelle. In Anbetracht dieser Konzepte ist es wohl nicht verwunderlich, dass die indischen Mathematiker als einer der Ersten die Null einfuehrten. Und in der Tat wird dieses hinduistische Wissen um den Ursprung aller Dinge gelebt. So trafen wir auf einen Inder, der versuchte uns ueber das Wie und das Warum des Lebens aufzuklaeren. Leider ohne Erfolg. Ein Anderer hat die letzten 20 Jahre damit verbracht, Newtons und Einsteins Theorien zu falsifizieren.

Tour d'Inde

3000 km in 10 Tagen. Dies bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit der Zuege von 50 kmh. Agra mit dem obligaten Foto des Taj Mahal. 20 Jahre brauchte das Kunstwerk, bis es stand. Und trotz aller Clicheehaftigkeit ein imposanter Anblick.

Varanasi. Wieder eine heilige Stadt. Diesmal am heiligen Ganges. Indien von der charakteristischsten Seite. Touristen, Pilger, Sadhus und Einheimische die alle durch die engen Gassen stroemen. Jeder Hindu sollte mindestens einmal in seinem Leben ein rituelles und spirituell reinigendes Bad im Ganges nehmen. Wenn man die Wasserqualitaet bedenkt, wirklich ein Glaubensakt. Hier trifft sich Leben und Tod: Burning Ghats, Treppen in den Fluss, wo 24h lang Leichen verbrannt und die Ueberreste ins Wasser geworfen werden. Wer hier stirbt wird vom ewigen Zyklus der Wiedergeburt befreit und geht ins Nirwana ueber. Bemerkenswert ist die ausgelassene, heitere Stimmung der Menschen, die um die Scheiterhaufen ihrer Verwandten stehend. Die morbideren Details auslassend, sei hier doch erwaehnt, dass das Ganze zynischer Weise nach einem Grillfest roch. Die Koerper von Sadhus, Kindern, schwangere Frauen und Menschen, die an einem Kobrabiss starben (?) werden verhuellt und direkt mit Steinen beschwert im Fluss versenkt.

Etwas ausserhalb von Varanasi liegt Sarnath, wo der historische Buddha seine erste Rede hielt und somit die Religion gruendete.

Ajanta. 2000-jaehrige, von Menschen erschaffene, riesige Hoehlen der Buddhisten. Es ist wirklich unglaublich zu welcher Inspiration, Kreativitaet, Aesthetik, Genialitaet und Ausdauer Religionen weltweit die Menschen immer wieder getrieben haben. Die Bau-/Kunstwerke scheinen wirklich von einer hoehren Ebene zu sprechen.

Goa. Meer und Strand. Es ist Zwischensaison, d.h. die hiesige Raver-Szene hat sich noch nicht formiert. Ironischerweise sind wir von einer Grippe niedergeschlagen und liegen meist im Bungalow.

Bombay. Abflug.

Bemerkungen

Fuer die Inder ist die Schweiz Himmel auf Erden (frueher war's Kashmir). Reiche Inder verbringen ihre Flitterwochen bei uns und in vielen Bollywood Filmen (kein Schreibfehler und in der Tat mit der entsprechenden US-Filmindustrie vergleichbar) gibt es kitschige Szenen aus der Schweiz. In gewissen Momenten, wenn die Inder fast zu Traenen geruehrt sind, dass wir aus der Schweiz sind, versuchen wir fairerweise auszugleichen und brechen ihren Glauben, Materialismus mache uneingeschraenkt gluecklich (Beispiele Suizid, Drogenabhangigkeit) und loben die indische Herzwaerme und Hilfsbereitschaft.

Die oberste Faehigkeit der Inder ist wohl die Anpassung. Dies aeussert sich in der Tatsache, dass keine indische Ehe scheitert, obwohl alle Ehen schon in fruehen Jahren arrangiert werden. Man passt sich eben an, erklaert man uns.

Ein Doppelzimmer kostet zwischen 4 und 10 Franken. Eine Mahlzeit zwischen 1 bis 4 Franken. Je nach Region und Anspruch.

Wir verbleiben mit lieben Gruessen in die Heimat

Eure

j&l

Honk Kong

Asien von einer anderen Seite. Erfrischend, modern und high-tech. Technisch doch nicht China - auch seit 1997 nicht.

China

China ist eigenartig, d.h. voller Eigenarten. China ist auch sonderbar. Die Staedte sind saubere, grosszuegige, zeitgemaesse und mondaene Metropolen. Sie stehen den westlichen Zentren in nichts nach (in der Tat haben chinesische Staedte kleine spezielle Extras wie nachts gruen beleuchtete Baumalleen oder Displays neben den Ampeln, welche die Sekunden bis zum Farbwechsel anzeigen). Die Menschen selber sind sehr modebegeistert und -bewusst. Dies alles fuegt sich zu einer vermeintlich bekannten Umgebung zusammen. Nur die Tatsache der asiatischen Gesichtszuege der Leute und die unleserlichen Schriftzeichen ueberall bilden einen sonderbaren Kontrast zwischen Vertrautheit und Fremdartigkeit. Auch die Omnipraesenz westlicher Komsumgueter erhoeht diesen Kontrast und es wird der Eindruck erweckt, dass China selber fast keine eigenen Produktionsstaetten besitzt. Von Armani bis Yahoo! ist alles vertreten. Wenn man bedenkt, dass China erst seit knapp 30 Jahren den Rest der Welt zur Kenntnis nimmt, eine gewaltige Entwicklung. Ein wahres Glueck fuer den westlichen Kapitalismus, auf diesen ungesaettigten und schier unbegrenzten Konsumenten-Pool zugreifen zu duerfen. Und angenehm fuer die kommunistische Regierung Chinas, die maechtige westliche Welt in solch einem Abhaengigkeitsverhaeltnis zu sehen, denn so schwindet auch deren Motivation politisch empfindliche Themen aufzugreifen (Tibet, Tiananmen, Menschenrechte, Meinungs-, religioese Freiheit,...).

Die Frage stellt sich, wo aber genau diese Regierung mit ihrem totalitaeren Wesen spuerbar ist. Es scheint, als ob das System sich zurueckgezogen haette, im Hintergrund agiert, kontrolliert und zensiert (die Nachricht, dass der Literaturnobelpreis an einen gefluechteten Chinesen ging war in keines der oeffentlichen Medien zu erfahren) und den Menschen mehr Freiraum zur Entfaltung gewaehrt (im staatlichen TV gibt es ein Sportmagazin mit dem Namen "Bundesliga" und entsprechendem Inhalt und NBA Basketball-Spiele werden live uebertragen). Dies scheint eine neuartige Lebensfreude der chinesischen Bevoelkerung zu erwecken. Und den Menschen in den Staedten geht es in der Tat wirklich gut. Ein ausgewanderter Chinese meinte zynisch, China waere kapitalistischer als der Westen. Mit Geld geht alles, wer Geld hat darf alles - unbegrenzte wirtschaftliche Freiheit. Dies alles, solange die politische Macht niemals beruehrt oder nur angenaehert wird. Und so geht China ins neue Jahrtausend: an der Oberflaeche an rasant boomendes, reiches, liberales Land mit starren, unsichtbaren Machtstrukturen dahinter. Der Preis des urbanen Wachstums geht jedoch auf auf Kosten einer breiten Bevoelkerungsschicht, die ausserhalb der Staedte in Armut und ohne soziale Netze ins Bodenlose faellt...

Als Tourist merkt man ziemlich schnell, dass China relativ teuer ist (Transport und Unterkuenfte [die guenstigste Herberge in einer Stadt war ein kleines Zimmer ohne Bad fuer ueber 70.- sFr.!]) und das Herumreisen schwieriger (inkompetente Anlaufstellen, buerokratisch laehmende Vorschriften, muehsame Vorschriften [z.B. kann man Flugtickets nur mit Bargeld bezahlen]). Mit der Behoerde (fuer Touristen in der Form des Amtes fuer oeffentliche Sicherheit) kommt man selten in Konflikt, ausser man will in eines der vielen billigen Unterkuenften absteigen, welche alle aber nur fuer Chinesen zugaenglich sind. Das Amt hat auch die Aufgabe, sicherzustellen, dass Touristen keinen allzu intimen Kontakt zu Chinesen pflegen (und umgekehrt). Auch die kulinarischen Eigenarten, welche der Westen den Chinesen zuschreiben, sind leider wahr. Und so spazierten wir am 1. Tag in ein gepflegt aussehendes Restaurant, um in einem Ausstellraum die lebenden Bestandteile des Menues anzutreffen: fingerdicke, rosa Wuermer, Maden, schabenartige Wasserinsekten, Schlangen, Wasserschlangen, Schildkroeten. Die einzige nicht-lebende Zutat war ein ausgenommener und gehaeuteter kleiner Hund - schoen samt Kopf auf einigen Salatblaettern praesentiert. Lecker... Dies scheint einigen Touristen zuzusagen und so durften wir beobachten, wie einige junge Touristen in einer anderen Stadt das spezielle Schlangen-Menue bestellten. Dies beinhaltet, neben dem Schlangenfleisch, auch ein kleines "Ritual", indem die lebende Schlange vorgefuehrt, aufgeschnitten und das noch warme Blut den furchtlosen Touristen in einem Cocktail-Glas serviert wird. Fuer alle Beteiligten ein fragliches Vergnuegen.

Im Vergleich zu Indien scheinen die Chinesen etwas ehrlicher zu sein. Auch die Frauen in China nehmen vermehrt am oeffentlichen Leben teil. Und in allen Hotelzimmern (egal von welcher Preisklasse) findet man kleine Aufmerksamkeiten wie Pantoffeln, Duschkappen, Thermoskannen mit heissem Wasser, Teetassen und natuerlich einen TV. Trotz der teuren Preisstruktur ist es dennoch eigenartigerweise Moeglich in Staedten super-billig zu essen (so kostet eine Riesenportion Reis mit Suppe und Tee 40 Rappen!). Aber der groesste Unterschied zu Indien ist die wohltuende Sauberkeit und Strukturiertheit ueberall. Dafuer ist die Selbstverstaendlichkeit, welche wir in Indien antrafen, mit jedermann englisch zu sprechen (die meisten Inder konnten sogar noch einen Happen Deutsch oder Franzoesisch) leider absolute Raritaet. Und leider sind die Chinesen nicht sehr begabt, pantomimische Gesten mit Einfallsreichtum zu interpretieren. Interessanterweise waren die meisten China-Touristen aeltere Leute.

Auch China wird in naher Zukunft vor massive Probleme gestellt. Umweltzerstoerung, -verschmutzung (5 der 10 weltweit verschmutztesten Staedte sind in China), Inflation, Korruption und das Bevoelkerungsproblem (Konsequenzen der 1-Kind-Politik sind u. a. eine Verschiebung des Geschlechterverhaeltnisses [man bevorzugt maennlichen Nachwuchs] und eine enorme Ueberalterung).

Tibet

Ein wunderbares und magisches Land. Das wahre Dach der Welt. Trotz der oeden und kargen Landschaft strahlt alles in einem wundersamen und intensivem Licht. Atemberaubende Schoenheit der Natur. Und die Tibeter selber sind friedvolle, zaehe und liebenswuerdige Menschen. Mit ihrer Religion eng verwurzelt sehen sie ihre physische Existenz nur als einen kleinen Aspekt der wahren, angestrebten Realitaet und so bilden religioese Rituale den groessten Bestandteil ihres Lebens (in der Tat ist der tibetische Buddhismus eines der vielfaeltigsten und buntesten Variationen des Buddhismus). Ob Kleriker oder einfacher Arbeiter, alle sind staendig in meditativer Rezitation ihrer Gebetssprueche vertieft - bei jeder Taetigkeit, zu jeder Zeit. Die Pilger nehmen monatelange Maersche durch diese menschenfeindliche Landschaft in Kauf, um an heiligen Orten Segen zu empfangen. Diese Maersche werden durch rituelles Verbeugen und Hinlegen der Pilger auf den Boden alle paar Schritte enorm erschwert. Und ueberall wehen farbige Gebetsfahnen im Wind, deren Inhalt auch immer den Wunsch nach dem Wohle aller Wesen beinhaltet...

Eine doppelte Tragik und Ironie, dass Tibet nicht nur von einer Diktatur besetzt worden ist, sondern dazu auch noch von einer atheistischen (ob Mao Atheismus aus philosophischer Ueberzeugung gewaehlt hat, oder aus Paranoia gegenueber jeglicher institutioneller Macht neben seiner, sei dahingestellt). Leider war die geschichtliche Situation so, dass Tibet ein Bestandteil der letzten chinesischen Dynastie war, welche 1911 zerfiel. Dies um so mehr Maos Legitimation Tibet zu "befreien". Und im Fieber der kulturellen Revolution (was fuer ein Namen fuer die Zerstoerung von Literatur, Kunst, Kultur und Religion und die Exekution deren Urheber in ganz China) wurde mit Vehemenz und Bitterkeit ein ganzes Volk zerstoert und von ihrem Reichtum beraubt (ueber 1 Mio. Tibeter starben und ueber 100'000 fluechteten).

Heute sieht die Situation wieder anders aus. Ob aus allgemeiner Liberalisierung oder aus Witterung einer lukrativen Geldquelle fuer die Regierung sei dahingestellt. Tatsache ist, dass die vielen Kloster wiederaufgebaut werden (waren beliebte Ziele fuer das Artilleriefeuer der ehemaligen chinesischen Besatzungsmacht), tibetische Fluechtlinge wieder einreisen duerfen (unter der Vorlage, dass sie nie wieder Tibet verlassen duerfen) und im staatlichen TV viele Kultursendungen ueber Tibet gezeigt werden. Immerhin, obwohl die Tatsache, dass 1996 Bilder des Dalai Lamas in ganz Tibet verboten wurden, darauf hindeutet, dass die chinesische Regierung wirklich nichts mit tibetischem Buddhismus anzufangen weiss und Tibet als grosses Disney Land fuer Westler (und ihre $) hochzieht.

Der Alltag ist wiederum anders. Die Tibeter sind trotz ihres Schicksals heitere, glaeubige Menschen, die das Strahlen im Gesicht nicht verloren haben. Die Kloster und Tempel haben immer noch ein gewisse Energie, obwohl sie eigentlich nur noch leere Huellen sind. Aber ob Tibet je wieder frei sein kann, ist hoechst fraglich. Nur schon der Umstand, dass viele Tibeter sich an den modernen, von den Chinesen mitgebrachten Lebensstandard gewoehnt haben, scheint irreversible Konsequenzen mit sich zu tragen...

Dies also ein kleiner Eindruck, den wir von diesem riesen Land in nur kurzer Zeit gewonnen haben,

j&l

Sydney

Australien. Das Wiederauftauchen in einer gewohnten, geregelten Welt (die Stadt ist ein Amalgam aus britischem und US-amerikanischem Stil). Alle Bequemlichkeiten sind wieder vorhanden. Dafuer ist aber auch die Intensitaet des Lebens wieder etwas verblasst. Genau das Ideale um zu entspannen. Es gab auch einen kleinen inversen Kulturschock, als wir wieder in unsere bekannte "Realitaet" eintauchten. Vor allem dem Umgang der Menschen unter- und miteinander fehlt eine bescheidene und verspielte Komponente. Obwohl zu sagen ist, dass die Australier ungemein freundlich, zuvorkommend und allgemein sehr zufrieden scheinen.

Neuseeland

Die Suedinsel

Im wahrsten Sinne der Aussenposten der westlichen Zivilisation.

(Leider ging die Besiedlung der Insel durch die Europaeer Hand in Hand mit dem Untergang der einheimischen Maori-Bevoelkerung [Nachkommen der polynesischen Ursiedler] und kennzeichnet das charakteristische Unvermoegen der "Zivilisierten" in Koexistenz mit "primitiven" Kulturen zu leben [Australien, Nordamerika,...]. Meist resultierend aus dem steten Bedarf an Land der Neusiedler. Heute sind noch 15% der Bevoelkerung Neuseelands Maori.)

Wie in Australien scheinen die Menschen hier auch ueberaus gluecklich und zufrieden zu sein. Eigentlich kein Wunder, angesichts der natuerlichen Schoenheit der Insel. Die ueberall wechselnde Vegetation und Geographie bieten eine Vielzahl von Eindruecken. Von verschneiten, hochalpinen Berggipfeln ueber Regenwaelder mit wundersamen Riesenfarnen, Fjorden und Gletschern ist die Auswahl schier unerschoepflich. Die einzige Konstante in dieser Vielfalt sind unzaehlige, kleine weisse Tupfer im ewigen Gruen: Schafe. Angeblich gibt es mehr als 10x so viele Schafe wie Menschen in Neuseeland.

Das Ozonloch - schon lange kein Thema mehr in unseren Medien (es wird ja angeblich nicht groesser) - praegt hier das Leben der Menschen. Ein Sonnenhutobligatorium fuer Schulkinder und Sonnenschutzfaktor 35 bis 50 der Sonnencremen sind nur einige Beispiele. Tragisch, dass die neuste Klimakonferenz scheiterte...

Gruesse,

j&l

Die Nordinsel

Weiterhin unumstaendliches Reisen in einer wunderschoenen natuerlichen Umgebung. Und wie auf der Suedinsel gibt es ein unglaubliches Angebot an Fun-Aktivitaeten. Neben den ueblichen adrenalinfoerdernden Kicks gibt es hier auch einige, sehr wahrscheinlich einzigartige, Moeglichkeiten, natuerliche Phaenomene zu erkunden. So z.B. eine Kalksteinhoehle, welche, bis 70 Meter tief und mit unterirdischen Fluessen durchzogen, fast an ein Konstrukt aus einem Vergnuegunspark erinnert - so perfekt fuer eine Tour sind die Gaenge ausgelegt und die Hindernisse plaziert.

In Sachen Globalisierung scheint die Welt sich wirklich in alle Richtungen auszutauschen und so war der Film "Lola rennt" in Australien und Neuseeland ein Kinohit und immer wieder sah man junge Leute mit Freitag-Taschen (Zuercher Modeartikel) um die Schulter.

Rapa Nui

Die Osterinsel. Eine winzig kleine Insel vulkanischem Ursprungs mitten im Pazifik isoliert. 24 km lang. Das naechste Stueck Land ist 2'000 km entfernt (die Insel wo die Meuterer der Bounty hin flohen). 3'000 Menschen leben heute auf diesem steppigen und verbuschten Eiland - die meisten davon in Hanga Roa, der einzigen "Stadt".

Eigentlich ein abgelegener und recht unspektakulaerer Ort, waere es nicht fuer den Mythos, mit dem die Insel seit ihrer Entdeckung an Ostern des Jahres 1722 die Welt fasziniert und so heute noch 10'000 Touristen in die Leere des Pazifiks lockt. Und in der Tat gehoeren Bilder der wundersamen Statuen (Moais) der Osterinsel irgendwie zum kulturellen Gedaechtnis der westlichen Welt.

Natuerlich lebt auch kein Mythos lange, ohne Raetselhaftes und Mystisches dahinter. Und auch hier hat die Geschichte der Osterinsel seit ihrer Entdeckung dieses geschaffen. Namentlich im Verlust des Wissens und des Handwerkes der Eingeborenen, als um 1850 noch rund 100 Menschen auf der Insel lebten (dies die Folge peruanischer Sklavendeportation, welche, als die Gefangenen nach Protesten in Peru wieder auf die Insel zurueckgebracht wurden, auch Pocken dort einfuehrten). Seit Chile 1888 die Insel annektierte, ist eine Stabilitaet wieder eingekehrt, welche zu der heutigen Situation fuehrte (obwohl bis vor einigen Jahren die Insel an eine britische Gesellschaft verpachtet wurde, welche dort Schafe zuechtete und die Bevoelkerung in Hanga Roa einzaeunte). Somit ist ein fruchtbarer Boden fuer allerlei Mutmassung und Spekulation bezueglich dem Wie und Warum der Moais entstanden. Aber es scheint, als ob langsam einige Theorien mit groesserer Akzeptanz als geschichtliches Wissen aufgefasst werden. So, dass die verschiedenen Clans der Insel um Macht und Ansehen zu gewinnen die Erstellung der Moais einer Gruppe von Handwerkern gegen Nahrungsmittel in Auftrag gaben. Dies ging von ca. 800 n. Chr. bis 1600 n. Chr., als es auf der Insel bald keine Baeume (wurden als Rollen zum Transport der tonnenschweren Statuen verwendet) mehr gab und parallel dazu einige natuerliche Katastrophen die Nahrungsmittelbestaende verknappten. Interessanterweise fuehrten die Clan-Rivalitaeten jetzt zu einer recht ausgepraegten Religion und zu neuen Moeglichkeiten fuer Machtdemonstrationen. Und so wurden alljaehrlich Wettkaempfe im olympischen Stil ausgefuehrt, bei denen die Vertreter der Clans zu einer kleinen Insel schwimmen und von dort ein Vogelei zurueckbringen mussten. Eine ganze Siedlung aus Steinhaeusern wurde zu diesem Zweck an der Kueste errichtet und beherbergte alle Inselbewohner fuer einige Monate im Fruehjahr. Es gibt sogar einen Film von (nicht mit!) Kevin Costner, der dieses ganze Geschehen erzaehlt. Trotzdem gibt es viele Details, welche, je nach Quelle der man glauben will, recht verschieden sind.

Erklaerungsversuche beiseite lassend, erinnert der Anblick dieser Statuen wahrlich an ein surreales Gemaelde. Meist wurden die Moais auf einer Art Plattform (Altar?) nebeneinander aufgestellt und mit einem hutartigen Steinklotz beschmueckt. Diese Plattformen mit bis zu 15 Moais sind auf der ganzen Insel verstreut. Unzaehlige umgefallene oder zerbrochene Statuen sind ueberall zu sehen. Ca. 600 davon, wobei der groesste, stehende Moai 9 Meter hoch ist (obwohl in 1888 alle umgefallen waren und spaeter erst wieder aufgerichtet wurden). Alle Moais stammen von ein und dem selben Vulkan im Osten der Insel. Dort sind noch ca. 400 z.T. unfertige, z.T. "gelagerte" Statuen zu finden. Ein 20 Meter hoher Moai wartet, fast fertig gestellt, nur noch auf die Losloesung von der Felswand. Und allgemein hat dieser Ort am Fusse des Vulkans eine gespenstische Frische, als ob jeden Moment die Handwerker zurueckkehren und ihren Alltag fortsetzen wuerden...

Und wenn man nach einigen Tagen auf der Osterinsel von dem ruhigen und friedlichen Lebensrythmus mitgetragen wird, so kommen einem viele Fragen in den Sinn. So z.B. nach dem Ursprung des Lebens auf dieser Insel. Und wenn einem erklaert wird, dass um ca. 400 n. Chr. eine Auswanderungswelle von Mikronesien aus zur Besiedlung der Osterinsel (und angeblich auch Neuseelands) fuehrte, so schaut man auf das weite Meer hinaus und kann dieses abstrakte Modell nicht ganz fassen und die Frage, wie denn genau dies vorgefallen sein soll, ist immer noch nicht greifbar beantwortet...

Und trotz der vermeintlichen Entmystifizierung gibt es noch viele Tatsachen, die einfach in kein Konzept passen wollen. So ein Altar auf der Insel, welcher von der Beschaffenheit und dem Aussehen her von den Inkas stammen koennte. Oder Statuen in Mexiko, welche eine Assoziation zur Osterinsel nahe legen. Auch die Frage nach der Entwicklung der Rapa Nui Sprache und Symbolschrift (bis heute noch nicht entziffert) auf solch kleinem, total isoliertem Raum hat wohl einige Parallelen zu der allgemeinen Entwicklung dieser Konzepte im Rahmen der groesseren Evolution der Menschheit.

Liebe Gruesse,

j&l

Chile

Sauber, reich, modern, europaeisch. Santiago koennte vom ersten Eindruck her leicht in Spanien (oder Italien) liegen. Nur das zuefaellige Gespraech mit einem recht verdorbenen Strassenkind korrigierte allzu heimische Gefuehle. Obwohl, ganz Chile scheint auf einem sehr angenehmen Standard zu leben (was sich leider auch in der Preisstruktur widerspiegelt) und auch die Armut ist hier wohl in keinem Vergleich zu anderen suedamerikanischen Laendern.

Die Menschen sind sehr herzlich und trotz dem Einzug der Moderne, scheinen noch intakte Verhaeltnisse zu herrschen und so sieht man unter anderem super-modisch bekleidete Jugendliche mit ihren "altmodischen" Grosseltern Arm in Arm durch die Strassen flanieren...

Im Allgemeinen erwecken die Chilenen auch den Eindruck, die intellektuellere Seite Suedamerikas zu sein. Viele Schriftsteller und Denker wurden hier schon geboren. Und die Menschen wirken recht vielschichtig und entziehen sich einfachen Clichees.

Ein angenehmes Reiseland, ausser dass die Distanzen etwas muehsam werden koennen (Chile ist mehr als 4'000 km lang, aber nur maximal 180 km breit). Es spielt sich auch der Grossteil des Lebens suedlich von Santiago ab, und so gab es fuer uns, da wir nach Norden reisten, viel Wueste und wenige Ortschaften zu sehen.

Die Ueberlandreise von Chile nach Bolivien gab uns einen Eindruck davon, wie bezaubernd uns vielfaeltig eine, im Grunde genommen, karge Landschaft sein kann. Und so ging die 3-tages Reise anfangs durch eine bizarre Mondlandschaft mit links und rechts bis zu 6'000 Meter hohen, erloschenen Vulkanen. Was aber die ganze Gegend zum Leben brachte, war die Dynamik der Bodenfarbe. Alle moeglichen Schattierungen von dunkelbraun bis hellgelb ergaben einen dramatischen Anblick. Kleine Oasen des Lebens waren die hin und wieder auftauchenden Lagunen. Auch diese in knalligem Gruen oder Rot, mit unzaehligen rosa Flamingos "verziert". Spaeter wurde eine noch unwirklichere Landschaft erreicht, als die Ebene mit einem Salzsee auftauchte. Knietiefes Salzwasser bis in die Unendlichkeit; Himmel und Erde verschmolzen zu einem farblosen Nichts, nur in der Ferne schien ab und zu ein Berg zu schwimmen...

Bolivien

Von einer 6'500 Meter hohen Bergspitze in den Anden, bis hin zum einige hundert Meter hohen Tiefland im Osten, ist es eines der duennsten besiedelten Laendern Suedamerikas. Obwohl der groesste Teil der Bevoelkerung auf einer kahlen Hochebene lebt, welche zwischen 3'600 und 4'100 Metern variiert. Hier liegen auch alle nennenswerten Staedte (z.B. La Paz und Potosi, die hoechstgelegene Haupt- bzw. Grossstadt der Welt) und der Titicaca-See.

Bolivien ist auch eines der aermsten Laender Suedamerikas (was es aber wieder moeglich macht, fuer 50 Rappen zu essen). Da viele Einwohner Bauern sind (mitten im Nichts, nach und vor stundenlanger Oede, stehen wieder Menschen am Strassenrand und warten auf einen Bus), heisst dies eher einfache und harte Verhaeltnisse, als Elend. Interessanterweise sind die Staedte und die groesseren Siedlungen ziemlich reich (dies im Vergleich zu Indien, wo Armut und Elend allgegenwaertig sind), und so finden sich hier auch wieder alle US-amerikanischen und europaeischen Konsumgueter wieder. Eine Konsequenz davon ist, dass das Aussehen der urbanen Bevoelkerung auf einige wenige Designerkleidungsartikel "reduziert" ist. Und in der Tat scheint dies eine weltweite Nivellierung im Erscheinungsbild der Staedte zu sein: Egal wo man sich befindet, die Artikel in den Geschaeften sind die Selben.

Auch geschichtlich und politisch hatte Bolivien einiges zu ertragen seit der Unabhaengigkeit von der spanischen Kolonialherrschaft in 1825. So zwei Kriege (einer gegen Chile und Peru, ein anderer gegen Paraguay) und eine Annektierung (durch Brasilien), in denen Bolivien jedesmal Land verlor, u.a. der Zugang zum Pazifik. Spaeter wurden als Kompensation dafuer der Bau von Eisenbahnlinien versprochen. Eine wurde dann tatsaechlich auch von Chile gebaut. Und seit 1825 gab es auch noch 200 gewaltsame Machtwechsel.

Was das Leben zusaetzlich noch erschwert, ist die grossflaechige Erosion, v.a. in der Regenzeit. Da es an den meisten Haengen kein stabilisierendes Wurzelwerk hat, entstehen z.T. ganze Schluchten, welche sich tief in die Erde fressen. Und so sieht man manchen Acker, der durch einen metertiefen Abgrund begrenzt ist, wo unten ein Fluss die Erde abtraegt. Auch die Strassen, welche zum groessten Teil nicht asphaltiert sind, werden durch die Regenfaelle arg in Anspruch genommen und es entsteht der Eindruck, als ob jedes Jahr die Strassen einen anderen Verlauf haben muessten...

Leider herrscht auch in Bolivien ein Mangel an Sauberkeit, was v.a. ausserhalb den Siedlungen ins Auge faellt. Aber auch hier ist dies nicht von asiatischem Ausmass und die Staedte selber und die Unterkuenfte sind sauber.

Trotz allem sind die Bolivianer liebenswuerdige, herzliche und ehrliche Menschen.

j&l

Die Stadt Potosi in Bolivien, auf 4'065 Metern gelegen, zaehlte anfangs 17. Jahrhundert mehr Einwohner als Paris, Rom oder Madrid. Grund dafuer war das reiche Silbervorkommen im kegelfoermigen Berg, welcher hinter der Stadt in die Hoehe ragt und den Spaniern ueber 100 Jahre lang Tausende Tonnen des Metalles bescherte. Dies zum Leidwesen der einheimischen Bevoelkerung, welches sich bis zum heutigen Tag manifestiert. Zu den historischen Tatsachen, welche einen Schatten werfen, gehoerte die Idee, nicht nur die Hochlandbewohner der Region in den Minen zu versklaven, sondern noch zusaetzlich afrikanische Sklaven dorthin zu verschleppen. Der erwartete Arbeitszuwachs blieb jedoch aus, da die meisten Afrikaner rasch an der feindlichen Hoehe und Kaelte starben. Es gab auch eine Auseinandersetzung zwischen den spanischen Minenbesitzern und der katholischen Kirche, da diese das bis auf die Inkas zurueckzufuehrende Kauen von Coca als teuflisch einstufte und verbot. Die Minenbesitzer wussten jedoch um die wirtschaftliche Notwendigkeit des Cocakauens, da die Arbeiter unter dessen Einfluss viel mehr leisten und ertragen konnten und dies bei reduziertem Hungergefuehl und Nahrungsmittelbedarf (und so war ein Sack Cocablaetter nicht viel weniger wert als das Silber selber). Schlussendlich fanden die beiden Parteien einen Kompromiss. Das Kauen von Coca wurde wieder geduldet, aber die Cocablaetter mit einer Kirchensteuer behaftet.

Heute gibt es nur noch einige Reste von Zinn und Zink im Berg. Dies genuegt aber jedoch, dass noch einige Tausend Menschen dort ihren Lebensunterhalt zu beschtreiten versuchen. Die moderne Tatsache, dass sie in staatlichen oder privaten Gesellschaften organisiert sind aendert nichts an den unmenschlichen Umstaenden. Und so arbeitet in den Minen heute noch ein betraechtlicher Anteil an Kindern, ab 12 oder 14 Jahren (obwohl in Bolivien Kinderarbeit verboten und die Schulpflicht obligatorisch waere). Dies bei einer Lebenserwartung von 35 Jahren (fuer diejenigen, die in Kindesalter die Arbeit anfangen natuerlich einiges weniger), wegen den giftigen Gasen in den Stollen und den allgemeinen Arbeits- und Ernaehrungsbedingungen (an 6 Tagen 8 Stunden lang Steineschleppen, mit bloss einer Backe voll Cocablaettern und bei einem Temeperaturunterschied von bis zu 35 Grad zwischen Eingang und tiefster Ebene im Berg). Man fragt sich wieso die Leute dies alles auf sich nehmen und unter Zustaenden arbeiten, welche sich kaum in 300 Jahren geaendert haben. Die Antwort ist einleuchtend wie auch tragisch, denn im Schnitt verdienen die Minenarbeiter doppelt so viel wie z.B. Polizeibeamte. Das Truegerische liegt an der Tatsache, dass dieser Schnitt zustande kommt, indem einige Wenige Glueck haben aber die Meisten dabei fast leer ausgehen. Die Faszination am Spiel mit dem grossen Glueck. Aber trotzdem ist es nicht einmal der Vergleich mit Europa, der einem zu denken gibt, denn nur schon im Zentrum von Potosi laufen jugendliche Bolivianer durch die Strassen, welche, von Kopf bis Fuss mit Designer-Kleidern ausgestattet sind, sogar modischen Accessoires wie hell-rosa Sonnenbrillen entdeckt haben. Verrueckte Welt. Persoenlich ist der Besuch der Minen eine erschuetternde Erfahrung. Etwas Positives liegt lediglich an der Tatsache, dass man den Minenarbeitern "Geschenke" (wie Wasser, Cocablaetter oder Dynamit) mitbringen kann und vielleicht ein ganz kleines Stueck Bewusstsein dafuer entsteht, was fuer ein Stellenwert unseres, fuer uns so alltaegliches und normales Leben (inklusive seinen Problemen) auf dieser Welt hat. Wer weiss...

Peru

Land der Inkas. Ein erfrischender Blick in eine Vergangenheit, welche fremd und ohne Bezug zu der europaeischen Kultur ein maechtiges und unverstandenes Erbe hinterliess. Eine Hochzivilisation welche bautechnisches, architektonisches, astronomisches, aesthetisches, medizinisches, chirurgisches (so z.B. Schaedeloeffnungsoperationen), organisatorisches, agrartechnisches Wissen auf den Punkt brachte. Und so trafen die Spanier 1532 ein Reich an, welches von Quito bis Santiago, inklusive Teilen Argentiniens, die verschiedensten Voelker in ein fast perfektes Staatssystem integrierten. Die Religion und die Mythologie der Inkas war ein einfacher Glaube an diejenigen Kraefte, welche Leben spenden und erhalten. Namentlich der Sonnengott und die Mutter Erde, nebst einem Schoepfergott des Universums. Dies erlaubte den Menschen in einem Einklang und einer Verbundenheit mit der Natur zu leben. Nach katholischem Massstab eine primitive, polytheistische Naturreligion und somit bekehrungsbeduerftig. Und auch die Conquistadores hatten von den Inkas nicht viel zu befuerchten, denn in der ersten Begegnung mit ihnen wurde ihr Schicksal schon besiegelt, indem die paar hundert Eroberer ein ganzes Inka-Heer besiegten - mit List, Pferden und Gewehren. Somit stand dem Zerfall des Reiches nichts mehr im Wege und in der Tat wurde Vieles zerstoert und z.B. das viele Inka-Gold (in Form von Schmuck und Tempelausstattungen) eingeschmolzen und nach Spanien gebracht und auch viele Gebaeude abgerissen und/oder Kolonialhaeuser und Kirchen auf ihren Fundamenten errichtet. Dieser Wissensverlust geht zum Leidwesen der heutigen Archaeologen, denn es wird immer offensichtlicher, dass die Inkas Techniken und Fertigkeiten besessen haben mussten, welche, nuechtern gesagt, erstaunlich waren. Um so mehr, wenn man bedenkt, dass die Inkas nur die Spitze eines Eisberges waren, denn vor ihnen gab es mindestens 10 weitere Hochkulturen, deren Urspruenge bis zu Tausenden von Jahren in die Vergangenheit zurueck reichen und dessen Erbe ebenso beeindruckend und unglaublich und unfassbar ist.

Und so wandert man zwischen den riesigen Steinbloecken in Machu Picchu (oder sonst in einem der vielen anderen Inka-Zeugnissen), welche fugenlos-perfekt Jahrhunderte und Erdbeben ueberstanden und man fragt sich wirklich, von wo dieses Wissen und diese Techniken denn entsprangen. Allgemein mag man sich auch wundern, wie alte Kulturen ueber wissenschaftliche Sachverhalte bescheid wussten, bevor die westliche Welt ueberhaupt Wissenschaft betrieben. Oder mag man sich auch fragen, wozu diese sonderbaren und riesigen Tier- bzw. Linienfigurenzeichnungen in der Wueste dienten, welche schon seit ueber Tausend Jahren von der Existenz der Nasca-Kultur sprechen und nur aus der Luft in ihrer Gesamtheit gesehen werden koennen...

Gruesse,

j&l

Weitere Sehenswuerdigkeiten: Eine Oase mitten in 20 Meter hohen Sandduenen, wo man in der angrenzenden Wueste millionenjahre alte Wahlfossilien und Haifischzaehnen (d.h. genauer die Zaehne der Vorfahren der Haie) findet.

Eine kleine unbewohnte Insel nahe der Kueste, welche zig Tausende Voegel diverser Spezies (z.T. sehr Seltener), Pinguine, Robben und Seeloewen beherbergt. Frueher war der Export des auf der Insel gesammelten Guanos ein wirtschaftliches Standbein Perus. Interessanterweise ist ganz in der Naehe auf dem Festland eine Zeichnung in den Sand geritzt worden, welche an die Linien von Nasca mahnt. Es koennte ein abstraktes Bild eines Kaktus darstellen. Das Bild ist eines der einzigen Zeugnisse der Paracas-Kultur, welche zur Zeit der Nasca-Aera existierte (und sich sehr wahrscheinlich auch mit deren Kultur austauschte). Jedenfalls ist die Zeichnung ca. 2'000 Jahre alt, 150 Meter gross, aber nur wenige Zentimeter tief in den Sand gestanzt. Was man von den Paracas-Menschen weiss, ist, dass sie seltsame Schaedeldeformations-Praktiken ausuebten, Experten in Schaedeloeffnungsoperationen waren und den halluzinogenen San Pedro Kaktus (Meskalin) zu schamanistischen Ritualen verwendeten.

Im Norden Perus, wiederum an der Kueste, befinden sich die Ueberreste einer weiteren pre-Inka-Kultur (welche spaeter dann auch von den Inkas absorbiert wurde). Es sind Ruinen aus Lehmziegeln, welche vor ca. 600 Jahren eine riesige Stadtanlage waren. Sehr wahrscheinlich war dies eine der groessten Metropolen auf der Welt zu jener Zeit.

Allgemein befindet sich Peru heute in einer wirtschaftlichen Misslage. Als sich das Land 1997 wirtschaftlich und sozial zu erholen schien (u.a. durch Schuldenrestrukturierung und die erhoeten Ausgaben fuer Bildung), setzte eines der schlimmsten El Niño Katastrophen in diesem Jahrhundert (dieses sonderbare Meeresstroemungs-Phaenomen, welches periodisch alle 3 bis 7 Jahre das Wettermuster der Kueste drastisch aendert) Peru wieder um Vieles zurueck. In diesem Zusammenhang sei auch erwaehnt, dass der japanisch-stammige ehemalige Staastpraesident Fujimori das Land verlassen hat und mit ihm Hunderte von Millionen von Dollar. Da fragt man sich wirklich wieso wohl die Polizei in ganz Peru mit brandneuen, riesiegen Toyota-Jeeps ausgestattet ist...

Ekuador

Ein kleines, tropisches Land nahe am Aequator. Ein angenehmes Ferienland. Die Staedte sind gepflegt und begruent (im Gegensatz zu Teilen Perus, welche anhand des Chaos und der Unuebersichtlichkeit uns an Asien erinnerten). Die Menschen sind ueberaus hilfsbereit, sich selber und den Gringos gegenueber. Alles scheint ruhig und entspannt zu sein. Auch die Kuestenregion ist gepraegt von dem ueppigen Gruen des Urwaldes - ein angenehmer Kontrast zum Wuestenstreifen, welcher noerdlich von Santiago bis Nordperu die Kueste zeichnet.

Wirtschaftlich hat Ekuador u.a. unter dem neuen Umstand zu leiden, dass die nationale Waehrung zu Gunsten des US-Dollars aufgegeben wurde. Die langfristigen Stabilisierungsmassnahmen muessen noch abgewartet werden, waehrend jedoch kurzfristig die Inflation markant zunimmt (und parallel dazu die Kriminalitaet). Die groessten Noten sind 20$. Somit hat man nach jedem Geldbezug ein zentimeterdickes Buendel Noten.

Ekuador besitzt auch eines der einzigartigsten und von unglaublicher natuerlicher Schoenheit gepraegten Naturregionen der Welt: Die Galapagos Inseln. In ihrer Abgeschiedenheit hat sich dort eine Diverstaet an Leben (Flora und Faune) im Zuge der Evolution entwickelt, welches wie gesagt ein weltweites Unikum darstellt. Um so tragischer, wenn sich in dieser Region eine Oelkatastrophe ereignet. Aber eigentlich gar nicht so verwunderlich, denn die naheliegende Meerespassage, welche die ekuadorianischen Oeltanker regelmaessig befahren muessen (ein Drittel Ekuadors Exporte sind Oel) ist recht schwierig und zudem steht die Frage im Raum, wieviel Sicherheit sich Ekuador ueberhaupt leisten kann. In Santiago machte eine oeffentliche Greenpeace Aktion auf den Umstand aufmerksam, dass sich im dortigen Hafen ein englischer Tanker befand, welcher Plutonium-Brennstaebe von Japan nach Frankreich zur Wiederaufbereitung bringen soll. Dies wiederum via einer schwierigen Meerpassage im Sueden Chiles. Die Auswirkungen einer Plutonium-Katastrophe sind wohl gar nicht voraussagbar oder fassbar. Es gibt kaum einen gefaehrlicheren Stoff (radioaktiv und hochgiftig). Trotzdem wird dieses Risiko von internationalen Konzernen kuehl in Kauf genommen, ohne dass dabei irgendeine Instanz oder ein Gremium darueber befinden kann oder die Oeffentlichkeit bescheid weiss. Erneut ein Beispiel, wo oekonomische Logik fern von langfristigem, nuetzlichem oder sinnvollem Denken ist. In diesem Zusammenhang sei noch die tragische Tatsache erwaehnt, dass der US-Praesidnt G. Bush ein riesiges und unberuehrtes Naturreservat in Alaska zur Oelfoerderung freigegeben hat.

Man wird an die Worte eines indianischen Haeuptliges erinnert, welche besagen, dass der weisse Mensch erst in jenem Moment, wo alle Waelder abgeholzt und alle Fluesse vergiftet sind, realisieren wird, dass man Geld nicht essen kann. Hoffentlich keine prophetischen Worte, denn rueckblickend auf die Geschichte war schlussendlich jede Hochzivilisation letzten Endes vom Untergang gepraegt. In der Mythologie der andinen Urbevoelkerung Suedamerikas existieren verschiedene Zeitalter oder Zyklen, die, wie auch in Asien oder in der westlichen Kultur, von grundlegenden Muster sprechen. Und so ist im Moment das Ende eines 1'000-jaehrigen Zykluses im Gange, welcher durch das Erwachen des alten Wissens dieses Kontinents gekennzeichnet ist und parallel dazu den Verfall der herrschenden (modernen) Strukturen bringt.

Und es geht noch weiter: Im "Stern" (Ausgabe Januar) war folgendes zu lesen: "Unser Weltbild war noch nie so atomisiert wie heute. Nichts ist mehr heilig, nichts steht fest. Und daher versuchen wir den Boden unter den Fuessen zu finden, indem wir zugucken, wie andere sich bemuehen, mit dieser verrueckten Welt klarzukommen." Und in der Tat scheint dem modernen Menschen heute v.a. Perspektive und Kontext zu fehlen. D.h. einerseits der Ausblick auf geschichtliche und geographische Zusammenhaenge (trotz unserem hohen Niveau an allgemeiner Schulbildung und ironisch in einer Zeit, in der unsere Technologie die Welt allumfaenglich vernetzt und zum "globalen Dorf" macht) und andererseits ein religioeser/spiritueller Bezug (Sinn?) zum Leben, dem Tod und der Realitaet in der wir tagtaeglich aufwachen. Und so lebt man heute meist in kleinen, unmittelbaren "Realitaets-Blasen", durch Hektik und materielle Sorgen von den groesseren Zusammenhaengen abgelenkt, ohne das Verstaendnis (oder das Interesse?) der Mechanismen, welche aus gestern heute werden lassen und die Welt so erscheinen laesst wie sie ist.

Und schlussendlich koennte man Egoismus als die kleinstmoegliche Perspektive definieren, welche sich nur auf sich selbst bezieht. Als Beispiel fuer religioese Bezuege seien buddhistische oder hinduistische Laender erwaehnt, in denen der Kontext zum Leben und dem Tod so kraft spendend ist, dass sie trotz den extremsten Umstaenden ein Laecheln auf den Lippen und einen kleinen, strahlenden Funken im Auge haben. Und im Kontrast dazu findet man die suedamerikanische Urbevoelkerung in einer recht traurigen Gemuetsverfassung vor, denn ihnen wurde ihre eigene Verbundenheit zu den Dingen durch ein fremdes, abstraktes Glaubenskonstrukt ersetzt, welches von den Eroberer indoktriniert wurde und somit kraftlos ist, leid zu ueberwinden.

Hoffentlich koennen sich die Dinge aendern, bevor es fuer Vieles zu spaet ist. Denn schlussendlich sind wir es, welche die Welt (ver-) formen, da wir die meisten Ressourcen brauchen, das meiste Kapital besitzen, die Macht haben und sehr viel Abfall produzieren. Wenn ein Paradigmawechsel noetig ist, dann bei uns. Und dieser faengt bei jedem Einzelnen selber an...

Denn ein Feuer entfacht das Nächste.

Herzliche Gruesse,

j&l

 

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